Anwalt und Weblog
Auf dieser Seite werden
wir Ihnen aktuelle Entscheidungen der Gerichte und Rechtsfälle aus den
Bereichen Arbeitsrecht, Sozialrecht, Mietrecht und Allgemeines Zivilrecht
vorstellen. Bitte beachten Sie unsere Haftungshinweise.
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Wohnungsverkauf oder Neuvermietung
Landgericht Frankfurt, Az: 2/17 S 194/01: gerade bei einer Neuvermietung müssen Mieter keine Dauerbesichtigungen durch Mietinteressenten dulden. Allerdings muss der Mieter drei bis vier Mal im Monat eine Besichtigung für 30-45 Minuten akzeptieren - Achtung es gibt keine einheitliche Rechtsprechung. Daher im Zweifelsfall von einem Anwalt vor Ort beraten lassen !
Rechtschutz, Mobbing und Schadensersatz
Urteil des OLG Saarbrücken vom 11.11.2009, Az: 5 U 63/09: das Urteil enthält neben der Bestimmung des "Erstverstoßes" (§ 4 ARB) auch eine Klarstellung dahingehend, dass bei Mobbingfällen kein Fall des Schadensersatzrechtschutzes, sondern ausschließlich des Arbeitsrechtschutzes nach § 2 b ARB einschlägig ist - Hinweis: nach unserer Einschätzung verschlechtern sich die ARB (Allgemeinen Rechtschutzbedingungen) mit jeder Novelle. Sie sollten daher das Angebot einer Rechtschutzversicherung zum Neuabschluss eines Rechtschutz-Versicherungsvertrages genau überprüfen. Einen Vertrag ohne Selbstbeteiligung werden Sie wahrscheinlich nicht wieder erhalten !
Kündigung und Diebstahl/Unterschlagung
Beschluss des Arbeitsgerichtes Bonn vom 26.10.2010, Az: 1 BV 47/10:
Sachverhalt: Ein 50-jähriger Betriebsratsvorsitzender ist
seit mehr als 30 Jahren bei demselben Arbeitgeber tätig. Dieser wollte das
Arbeitsverhältnis fristlos kündigen, da der Betriebsratsvorsitzende
drei Schraben im Wert von 0,28 Euro an einen Arbeitskollegen verschenkt hatte.
Der Vorfall wurde durch einen anonymen Brief an den Arbeitgeber bekannt.
Der Arbeitgeber reagierte sofort und forderte vom Betriebsrat die Zustimmung
zur fristlosen Kündigung. Der Betriebsrat verweigerte allerdings die
Zustimmung. Auf Antrag des Arbeitgebers sollte das Arbeitsgericht die
Zustimmung des BR durch eine Gerichtsentscheidung ersetzen.
Entscheidung: das Arbeitsgericht Bonn hat den Antrag des
Arbeitgebers zurückgewiesen. Vor allem die lange
Betriebszugehörigkeit und das sofortige Eingeständnis des
BR-Vorsitzenden war dabei von entscheidender Bedeutung -
Das Arbeitsgericht Bonn folgt der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts.
Dieses hatte in seiner Emmely-Entscheidung bestätigt, dass Diebstahl,
Unterschlagung oder Betrug auch dann zur außerordentlichen Kündigung
führen können, wenn nur geringfügige Werte betroffen sind.
Allerdings sei eine über lange Jahre ungestörte Vertrauensbeziehung
zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer nicht notwendig schon durch eine
erstmalige Vertrauensenttäuschung vollständig und unwiederbringlich
zerstört.
Kinderzuschlag

Rechtsanwalt Christian Sehn - Mannheim:
Alternativen zur Beantragung von Leistungen nach dem SGB II/ALG II/Hartz IV:
- Kinderzuschlag § 6a Bundeskindergeldgesetz
- Wohngeld nach dem Wohngeldgesetz
Allerdings: Die Berechnung des Kinderzuschlages und die Überprüfung von Kinderzuschlags-Bescheiden ist für Nichtjuristen aufgrund des extrem komplizierten Gesetzestextes nahezu unmöglich. Deshalb sollte man zunächst einen Kinderzuschlagsrechner im Internet ansteuern, z.B: http://www.bmfsfj.de/Kinderzuschlagrechner/. Sofern dann noch Zweifel bestehen, sollte ein Rechtsanwalt mit dem Tätigkeitsschwerpunkt Sozialrecht aufgesucht werden.
Kindergeld und inhaftierte Jurastudenten
Urteil des Finanzgerichtes Berlin-Brandenburg, Az: 10 K 10288/08:
Ausgangssituation: Eltern von Kindern zwischen 18 und 25
Jahren, die sich in einer Ausbildung befinden, haben Anspruch auf Kindergeld
gem. § 32 EStG. Das Kindergeld wird auch gezahlt, sofern das Kind keinen
Ausbildungplatz findet oder nicht fortsetzen kann. So z.B wegen wegen einer
Krankheit oder wegen Mutterschaft.
Fragestellung: Muss die Familienkasse auch Kindergeld zahlen,
sofern das Kind sich im Gefängnis befindet ?
Entscheidung: Das
Finanzgericht war der Ansicht, dass die Familienkasse kein Kindergeld zahlen
muss. Im vorliegenden Fall war ein Jurastudent wegen seiner Tätigkeit als
Drogenkurier zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden. Die Mutter
des Studenten hatte gegen die Familienkasse geklagt. Ihr Sohn sei studierwillig
gewesen und nur aus objektiven Gründen an der Fortsetzung seines Studium
gehindert gewesen - also stehe ihr das Kindergeld zu.
Das Finanzgericht hat die Klage abgewiesen. Das Kind habe vorsätzlich eine
schwerwiegende Straftat begangen und sei somit selbst dafür
verantwortlich, dass es das Studium unterbrechen müsse. Mit einer
Erkrankung oder Mutterschaft sei das nicht zu vergleichen. Eine Weiterzahlung
des Kindergeldes an die Eltern komme daher nicht in Betracht. Das Finanzgericht
hat die Revision zum Bundesfinanzhof zugelassen.
Karenzentschädigung und Wettbewerbsverbot
Urteil des BAG vom 21.04.2010, 10 AZR 288/09:
Sachverhalt: der Arbeitgeber (das Unternehmen vertreibt
Türen und Fenster ausschließlich an Fachhändler) hatte im
Arbeitsvertrag geregelt, dass der Arbeitnehmer zwei Jahre nach dem Ende seiner
Tätigkeit keine Konkurrenztätigkeit aufnehmen darf. Als
Konkurrenzunternehmen wurden in der Wettbewerbsvereinbarung ohne weitere
Einschränkungen Betriebe definiert, die mit dem Vertrieb von Fenstern und
Türen befasst sind.
Entscheidung: dieses Wettbewerbsverbot dient nach Auffassung
des BAG nicht dem Schutz der gewerblichen Interessen des Arbeitgebers. Das
Wettbewerbsverbot ist daher teilweise unwirksam und damit unverbindlich. Es war
ausreichend, dass der Arbeitnehmer den verbindlichen Teil einhielt und seinem
ehemaligen Arbeitgeber nicht beim Vertrieb der Produkte an
Fachhändler Konkurrenz gemacht hat. Der Arbeitnehmer/Kläger
konnte daher seinen Anspruch auf die Karenzentschädigung gem. § 74
HGB durchsetzen - Die Vereinbarung eines
Wettbewerbsverbotes führt häufig zu gerichtlichen
Auseinandersetzungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Die Vereinbarung
sollte aufgrund der weitreichenden finanziellen Folgen von einem Fachanwalt
für Arbeitsrecht aufgesetzt/überprüft werden.
Urlaubsabgeltung und Schwerbehinderung
Urteil des Bundesarbeitsgerichtes vom 23.03.2010, Az: 9 AZR 128/09:
Scheidet ein schwerbehinderter Arbeitnehmer arbeitsunfähig aus dem
Arbeitsverhältnis aus, so hat der Arbeitgeber auch den gesetzlichen
Zusatzurlaub von fünf Tagen abzugelten. Im vorliegenden Fall hatte ein
Schwerbehinderter geklagt, da der Arbeitgeber ihm nur den Mindesturlaub
finanziell vergüten wollte. Nach Aufassung des BAG unterliegt der Anspruch
auf Abgeltung des Zusatzurlaubes für Schwerbehinderte dem rechtlichen
Schicksal des Mindesturlaubes und war daher abzugelten -
s. auch Urteil des EuGH vom 20.01.2009.
Haushaltsnahe Dienstleistungen
Urteil des Bundesfinanzhofes vom 06.05.2010, Az: VI R 4/09:
Einfache Handwerkerleistungen können nicht als haushaltsnahe
Dienstleistungen neben anderen Handwerkerleistungen begünstigt
werden.
Kfz-Schein im Handschuhfach
Urteil des OLG Oldenburg vom 23.06.2010, Az: 5 U 153/09:
Die dauernde Aufbewahrung des Kraftfahrzeug-Scheins im Handschuhfach eines
Fahrzeuges stellt keine erhebliche Gefahrerhöhung dar, welche die
Versicherung von der Leistungsverpflichtung freistellen könnte. Es handelt
sich lediglich um eine unerhebliche Gefahrerhöhung, die die
Wahrscheinlichkeit des Eintritts des Versicherugsfalls nur unwesentlich
gesteigert hat - bei diesem Urteil ist Vorsicht geboten !
Das Urteil ist unseres Wissens noch nicht rechtskräftig. Das OLG Celle
bejaht erhebliche Gefahrerhöhung.
Arbeitsplatz und Mobbing
Urteil des Sozialgerichtes Mannheim vom 09.03.1994:
Wird der Arbeitsplatz wegen Mobbing oder sonstigem psychischem Druck
aufgegeben, so stellt dies einen wichtigen Grund nach § 144 SGB III dar.
Die Arbeitsagentur kann daher, sofern die Nachweise ordnungsgemäß
geführt wurden, keine Sperrzeit aussprechen. Nach der aktuellen
Dienstanweisung der Bundesagentur für Arbeit muss der Arbeitslose
detailiert darlegen, worin die für ihn unzumutbare Situation bei seinem
ehemaligen Arbeitgeber bestand - in derartigen Fällen
muss man dem Rechtsuchenden empfehlen, frühzeitig anwaltlichen Rat eines
im Sozialrecht versierten Rechtsanwaltes einzuholen. Der Rechtsanwalt kann
durch rechtzeitige Kontaktaufnahme mit der Arbeitsverwaltung eine Klärung
der Angelegenheit herbeiführen und in vielen Fällen den Ausspruch
eines Sperrzeitbescheides verhindern.